Prof. i.R. DI Dr. techn. et Mag. Dr. phil. Gottfried Schweizer 

1927 ‐ 2014

Gottfried Schweizer war ein lebensfroher Mensch. Umso erschütternder war es, ihn im Sommer 2014 während seiner letzten Lebenswochen in seinem Grünwalder Pflegeheim zu erleben. Körperlich extrem geschwächt, konnte er nur mit grösster Anstrengung verständlich kommunizieren – doch sein Geist war bis zuletzt hellwach und er war sich über seine Situation völlig im Klaren. Wenige Wochen nach seinem 87. Geburtstag erlag er einer besonders heimtückischen Form des Krebsleidens. Wir dürfen also davon ausgehen, dass sein Tod für ihn erlösend war.

Aus einer Frohnleitener Papierfabrikantenfamilie stammend, nahm er im nahegelegenen Graz das Studium der Chemie auf und schloss es mit einer Promotion ab. Nach einer ersten Tätigkeit in der oberbayerischen Zellstoff‐ und Papierindustrie wechselte er 1962 als Dozent in den Papierbereich des damaligen Oskar‐von‐Miller Polytechnikums in München (der späteren FH München).

Die etwa Mitte der sechziger Jahre einsetzenden Studentenunruhen bewirkten ‐ nahezu unvermeidbar ‐ eine Entfremdung zwischen Lehrkörper und Studenten. Vor diesem Hintergrund konnte keine persönliche Nähe zwischen Dozenten und Studenten entstehen; dies schmerzte Gottfried Schweizer, denn es widersprach völlig seiner Natur.

Mit den Zielen der Ingenieurstudenten identifizierte er sich und brachte dies in der ihm eigenen klaren Sprache unmissverständlich und öffentlich zum Ausdruck; ihre Aktionen unterstützte er nach Kräften, obwohl dies seiner Karriere hätte schaden können ‐ galt er doch als designierter Nachfolger des 1970 in den Ruhestand gegangenen Leiters des Papierbereichs am Polytechnikum. Wissenschaftlich befasste er sich schwerpunktmässig mit der seinerzeit neuen und weitestgehend unbekannten Flotationsdeinking‐Technologie und insbesondere mit der Bleiche des deinkten Altpapierstoffs.

Auch nach seiner Pensionierung verfolgte er mit grossem Interesse die Veränderungen an den Hochschulen und liess an seiner sehr kritischen Haltung gegenüber dem „Bologna‐Prozess“ nicht den geringsten Zweifel aufkommen; damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht.

Das im Ruhestand aufgenommene und ebenfalls mit einer Promotion abgeschlossene Zweitstudium der Geschichte liess ihn aufblühen. Während einer von seiner Ehefrau Bożena und ihm für einige seiner früheren Münchener Studenten organisierten Exkursion durch die Südsteiermark begeisterte er die Teilnehmer mit einer packenden Schilderung der Geschichte seiner geliebten steirischen Heimat. Bei diesem Anlass entwickelten sich dann auch freundschaftliche Beziehungen seiner ehemaligen Schüler zum Ehepaar Schweizer.

Seine musischen Neigungen lebte Gottfried Schweizer in dem von ihm aktiv ausgeübten Geigenspiel aus und wirkte auch in einem Orchester mit. Ausserdem war er passionierter Naturliebhaber und Jäger. So war es kein Zufall, dass er während vieler Jahre die Sommermonate gemeinsam mit seiner Ehefrau in seinem hoch in den Bergen gelegenen Jagdhaus verbrachte.

Anlässlich seines 90. Geburtstags (9. Juli) und 3. Todestags (11. August) gedenken wir unseres leidenschaftlichen Lehrers und guten Freundes Prof. Dr. Gottfried Schweizer in grosser Dankbarkeit.

gerhard.lambrecht@erma‐concepts.com (Studienzeit 1966 – 1970)